Was ein Umgangstagebuch ist und wann Sie eines brauchen
Ein Umgangstagebuch ist eine laufende, datierte Liste von Ereignissen rund um Ihr Kind. Viele sagen auch Sorgerechts-Tagebuch oder Sorgerechtsjournal. Sie notieren darin Übergaben, Umgangszeiten, Absprachen, Kosten und Vorfälle.
Umgang heißt die Zeit, die ein Kind mit einem Elternteil verbringt. Nach § 1684 BGB hat das Kind ein Recht auf Umgang mit jedem Elternteil. Beide Eltern müssen alles unterlassen, was das Verhältnis des Kindes zum anderen Elternteil beeinträchtigt.
Ein Tagebuch lohnt sich besonders in diesen Fällen:
- Übergaben laufen oft schief. Der andere Elternteil kommt zu spät, sagt kurzfristig ab oder bringt das Kind nicht.
- Absprachen werden später bestritten. Was am Telefon vereinbart war, gilt plötzlich nicht mehr.
- Das Jugendamt ist schon beteiligt. Das Jugendamt ist die Behörde, die Familien berät und im Verfahren angehört wird.
- Ein Antrag beim Familiengericht ist möglich. Dann brauchen Sie Ihre Unterlagen oft innerhalb weniger Wochen.
Was Sie in ein Tagebuch schreiben sollten, erklärt unser Leitfaden zum Inhalt eines Sorgerechtsjournals.
Was eine gute Sorgerechts-Tagebuch-App können muss
Ein Tagebuch hilft nur, wenn Sie Ereignisse zeitnah eintragen. Achten Sie auf diese fünf Punkte:
- Schnell eintragen. Datum, Uhrzeit, Ort, Anwesende und Ablauf sollten in unter einer Minute erfasst sein.
- Belege am richtigen Eintrag. Der Screenshot oder die Quittung gehört zum Ereignis, nicht in die Fotogalerie.
- Zwei Daten pro Eintrag. Wann ist es passiert, und wann haben Sie es notiert? Beides sollte sichtbar sein.
- Spätere Änderungen erkennbar. Nachträgliche Änderungen sollten sichtbar bleiben.
- Ein gefiltertes PDF. Ihre Anwältin braucht zum Beispiel nur die Übergaben der letzten drei Monate.
Eine App, die nur speichert und nichts exportiert, ist im Grunde eine Notiz-App. Den Unterschied zeigt unser Vergleich Sorgerechtsjournal oder Notiz-App.
So sieht ein guter Eintrag aus
Ein guter Eintrag beschreibt, was passiert ist. Er bewertet nicht und unterstellt dem anderen Elternteil keine Absichten. Ein Beispiel für eine ausgefallene Übergabe:
| Feld | Eintrag |
|---|---|
| Datum und Uhrzeit | Freitag, 12. September 2026, 17:00 Uhr |
| Ort | Vor der Kita, Hauptstraße |
| Was vereinbart war | Übergabe von Mia um 17:00 Uhr, laut Umgangsvereinbarung vom März |
| Was passiert ist | Ich habe bis 17:45 Uhr gewartet. Um 17:52 Uhr kam eine SMS: „Heute klappt es nicht.“ |
| Beleg | Screenshot der SMS mit Uhrzeit |
| Folge | Mia hat das Wochenende bei mir verbracht. Der nächste Termin ist offen. |
Schreiben Sie „Ich habe bis 17:45 Uhr gewartet“ statt „Er ist wie immer unzuverlässig“. Der erste Satz lässt sich belegen. Der zweite ist eine Meinung und schwächt Ihre Aufzeichnungen.
Weitere Muster finden Sie in unseren Beispielen für Sorgerechtsjournale und in der Vorlage für ein Sorgerechtsjournal.
Was Sie je nach Situation festhalten sollten
| Situation | Was in den Eintrag gehört |
|---|---|
| Verspätete oder ausgefallene Übergabe | Vereinbarte Zeit, tatsächliche Zeit, Nachricht zur Absage, Folge für das Kind |
| Umgang wird verweigert | Datum, wer abgesagt hat, mit welcher Begründung, ob ein Ersatztermin angeboten wurde |
| Mündliche Absprache | Wer was zugesagt hat, wann, und Ihre kurze Bestätigung per Nachricht |
| Kosten für das Kind | Betrag, Zweck, Quittung und ob der andere Elternteil seinen Anteil gezahlt hat |
| Arzt oder Schule | Termin, wer informiert war, welche Entscheidung ansteht |
| Vorfall bei der Übergabe | Ablauf in der Reihenfolge, Anwesende, was das Kind gesehen oder gehört hat |
Zu mehreren Situationen gibt es eigene Leitfäden. Lesen Sie etwa, wie Sie verweigerten Umgang festhalten und Übergaben dokumentieren.
Casewell: am besten für ein privates Tagebuch
Casewell ist für den Fall gebaut, den gemeinsame Apps nicht abdecken. Ihre Aufzeichnungen gehören allein Ihnen und hängen von niemandes Mitarbeit ab. Niemand sonst muss etwas installieren oder freigeben.
Sie erfassen verspätete oder ausgefallene Übergaben, Umgangszeiten, Vorfälle, Nachrichten und Kosten. Screenshots, Fotos, Quittungen und Sprachnotizen hängen am passenden Eintrag. Ein Übergabeplan erinnert Sie rechtzeitig an jeden Termin. Den Plan sehen nur Sie.
Wenn es ernst wird, filtern Sie nach Zeitraum, Kind und Kategorie. Daraus entsteht ein PDF für Anwältin, Mediation oder Gericht. Jeder Eintrag zeigt, wann etwas passiert ist und wann Sie es notiert haben. Spätere Änderungen sind markiert.
Casewell läuft auf iPhone und Android und ist auf Deutsch verfügbar. Sie wählen einen Wochen-, Monats- oder Jahrestarif, jeweils mit 14 Tagen Testphase. Mehr zur App lesen Sie auf der Seite zum Sorgerechtstagebuch.
2houses: die gemeinsame App mit deutscher Website
2houses kommt aus Belgien und hat eine deutsche Website. Ein Abo deckt die ganze Familie ab: beide Eltern, Kinder, Dritte und Mediatoren. Nur ein Elternteil muss zahlen, die Kosten lassen sich in der App teilen. Es gibt 14 Tage Testphase.
Sie bekommen einen gemeinsamen Kalender, Nachrichten, eine Kostenverwaltung, Alben und ein Tagebuch. Beim Tagebuch lohnt ein genauer Blick. Es ist ein Familien-Feed für Neuigkeiten, Fotos und Zitate der Kinder. Für eine private Notiz über eine missglückte Übergabe ist es nicht gedacht.
2houses passt, wenn beide Eltern mitmachen und den Alltag gemeinsam planen wollen.
Weitere Apps: OurFamilyWizard, TalkingParents, AppClose und Custody X Change
Diese vier Apps kommen aus den USA. Die Preise stehen in der Tabelle oben. Prüfen Sie vor dem Kauf, ob Sprache, Währung und Exporte zu Ihnen passen.
- OurFamilyWizard ist die bekannteste gemeinsame Plattform. US-Gerichte ordnen sie oft an, in Deutschland kommt das eher in hochstrittigen Fällen vor. ToneMeter markiert scharfe Formulierungen vor dem Senden. Jeder Elternteil zahlt selbst.
- TalkingParents speichert Nachrichten und Anrufe so, dass niemand sie ändern oder löschen kann.
- AppClose deckt die gemeinsamen Grundlagen günstig ab. Ältere Artikel nennen die App noch kostenlos, das stimmt nicht mehr.
- Custody X Change funktioniert wie Casewell ohne den anderen Elternteil. Die App erstellt Umgangspläne und zählt Übernachtungen zusammen.
Die ersten drei lohnen sich nur, wenn der andere Elternteil mitmacht. Direkte Vergleiche finden Sie unter Casewell und OurFamilyWizard sowie Casewell und TalkingParents.
Was nicht in Ihr Tagebuch gehört
Ein einziger unsachlicher Eintrag kann das ganze Tagebuch angreifbar machen. Drei Dinge schaden mehr, als sie nützen:
- Heimliche Tonaufnahmen. Wer das nicht öffentlich gesprochene Wort eines anderen ohne Befugnis aufnimmt, kann sich nach § 201 StGB strafbar machen. Schreiben Sie stattdessen direkt nach dem Gespräch auf, was gesagt wurde.
- Vermutungen und Beleidigungen. Das Gericht kann Ihre Unterlagen dem anderen Elternteil zeigen. Schreiben Sie so, dass Sie jeden Satz vorlesen könnten.
- Alles auf einmal. Niemand am Gericht liest 300 Screenshots. Ein kurzer, gefilterter Export zu einer konkreten Frage überzeugt mehr.
Mehr zu Aufnahmen, Akteneinsicht und dem Ablauf beim Familiengericht lesen Sie in unserem Leitfaden Die beste App für getrennte Eltern vor dem Familiengericht.
Wenn es zum Familiengericht geht
Umgangsverfahren laufen in Deutschland schnell. Der erste Gerichtstermin soll spätestens einen Monat nach Beginn stattfinden (§ 155 FamFG). Dort wird auch das Jugendamt angehört. Oft kommt ein Verfahrensbeistand hinzu, der allein die Interessen des Kindes vertritt (§ 158 FamFG).
Führen Sie Ihr Tagebuch deshalb laufend und nicht erst nach dem Antrag. Was Sie vorbereiten sollten, zeigt unsere Checkliste für Beweise im Sorgerechtsstreit.
In fünf Minuten entscheiden
Beantworten Sie drei Fragen:
- Macht der andere Elternteil zuverlässig mit? Wenn ja, lohnt sich eine gemeinsame App wie 2houses. Wenn nein, brauchen Sie ein privates Tagebuch.
- Hat ein Gericht eine bestimmte Plattform angeordnet? Dann nutzen Sie diese Plattform. Ein privates Tagebuch können Sie trotzdem daneben führen.
- Worum geht der Streit? Geht es um Stunden und Übernachtungen, hilft Custody X Change. Geht es darum, was an einem bestimmten Tag passiert ist, hilft Casewell.
Testen Sie Ihre Wahl zwei Wochen lang mit echten Einträgen. Erstellen Sie dann ein PDF. Versteht eine fremde Person es in fünf Minuten?
Ihr Umgangstagebuch, bereit für das erste Gespräch
Casewell hält jeden datierten Eintrag mit dem Screenshot, der Quittung oder der Sprachnotiz zusammen, die ihn belegt. Es zeigt, wann etwas passiert ist und wann Sie es notiert haben. Wenn Sie es brauchen, exportieren Sie ein gefiltertes PDF für Ihre Anwältin, das Jugendamt oder die Mediation.
Kostenlos testenWelche Sorgerechts-Tagebuch-App ist die beste?
Das hängt davon ab, ob der andere Elternteil mitmacht. Für eigene, datierte Aufzeichnungen passt eine private App wie Casewell. Für die gemeinsame Planung mit einem kooperativen Ex passt eine gemeinsame App wie 2houses. Viele Eltern nutzen beides.
Gibt es eine Umgangstagebuch-App, die ohne den anderen Elternteil funktioniert?
Ja. Casewell ist für einen Elternteil gebaut, und Ihre Einträge sieht niemand außer Ihnen. Auch Custody X Change funktioniert ohne den anderen Elternteil. Die übrigen Apps in diesem Vergleich sind für beide Eltern gedacht.
Gibt es eine kostenlose Sorgerechts-Tagebuch-App?
Fast alle Apps hier bieten eine kostenlose Testphase von 14 bis 60 Tagen. Casewell kostet nach 14 Tagen Test einen Wochen-, Monats- oder Jahresbeitrag. Kostenlos ist unsere Vorlage für ein Sorgerechtsjournal zum Ausdrucken.
Erkennt das Familiengericht ein Umgangstagebuch an?
Deutsche Familiengerichte prüfen oder zertifizieren keine Apps. Das Gericht entscheidet selbst, was es für wichtig hält. Ein Tagebuch hilft, wenn die Einträge zeitnah, sachlich und mit Belegen geführt sind. Eine Fachanwältin oder ein Fachanwalt für Familienrecht kann Ihre Unterlagen einschätzen.
Darf ich Gespräche mit dem anderen Elternteil aufnehmen?
Heimliche Tonaufnahmen nicht öffentlicher Gespräche können nach § 201 StGB strafbar sein. Schreiben Sie das Gespräch lieber direkt danach auf, mit Datum, Uhrzeit und den wichtigsten Sätzen. Eine kurze schriftliche Bestätigung per Nachricht ist ebenfalls ein guter Beleg.
Kann ich Casewell neben 2houses oder OurFamilyWizard nutzen?
Ja. Viele Eltern planen gemeinsam in einer geteilten App und führen ihr eigenes Tagebuch in Casewell. Einen Screenshot aus der gemeinsamen App hängen Sie einfach an den passenden Eintrag.
Quellen
Die genannten Vorschriften gelten in Deutschland. In Österreich und der Schweiz gelten andere Gesetze. Dies ist ein Vergleich von Dokumentations-Apps, keine Rechtsberatung.
- BGB § 1684: Umgang des Kindes mit den Eltern
- FamFG § 155: Vorrang- und Beschleunigungsgebot
- FamFG § 158: Verfahrensbeistand
- StGB § 201: Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes
- 2houses: Preisgestaltung (Deutsch)
- OurFamilyWizard: Pricing
- TalkingParents: Pricing
- AppClose
- Custody X Change
- Apple App Store (Deutschland): Casewell
Casewell